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Mehr als 9 Jahre nach meiner End-Diagnose

  • Ingrid Langenbruch
  • Dec 24, 2025
  • 4 min read

Ingrid Langenbruch Mehr als 9 Jahre nach meiner End-Diagnose

Mehr als 9 Jahre nach meiner End-Diagnose

 

Es ist jetzt über neun Jahre her seit meiner Diagnose Endstadium Krebs.

 

Und wie man sieht, bin ich noch nicht gestorben. Ganz im Gegenteil. Es geht mir gut, ich habe wieder angefangen zu arbeiten und lebe ein freud- und sinnvolles Leben.

 

Es ist viel passiert in den letzten neun Jahren. Nachdem ich alle meine Angelegenheiten geregelt hatte – alle Papiere einschließlich Testament, Vollmachtsurkunden usw., meine persönlichen Sachen aussortiert und viel ausgemistet hatte, mich von einem großen möblierten Haus auf zwei kleine Zimmer in einer Wohngemeinschaft verkleinert hatte, und das innerhalb von ein paar Wochen, ist mein Leben viel klarer und einfacher geworden.

 

Es fühlte sich großartig an, alles geregelt und sortiert zu haben, so dass andere Leute sich nicht um meine Sachen kümmern müssen wenn ich sterbe. Viele Menschen tendieren dazu, ihren ganzen 'Kram' anderen Familienmitgliedern zum Aussortieren und Entsorgen zu überlassen.

 

Ich habe keine Verwandten in Australien, aber ich würde sowieso niemandem die

Sachen, die ich jetzt schon aussortieren und ordnen kann, hinterlassen, egal ob ich mit ihnen verwandt bin oder nicht.


Ich erholte mich von der Lungenoperation und so langsam wurde ich stärker; ich hatte einen regelmäßigen Rhythmus und ging ins Fitness-Studio, bewegte mich viel, ernährte mich gut und ging früh schlafen. Ich hatte Termine bei Ärzten und für komplementäre Heilmethoden. Ich hielt Kontakt zu meiner Gemeinschaft und wurde körperlich immer gesünder und stärker.


Irgendwann fühlte ich mich so gut und stark, dass ich den Ruf verspürte wieder zu arbeiten, was ich seit Jahren nicht mehr gemacht hatte, da ich immer wieder im Krankenhaus war und Behindertenrente bezog.


Als ich wieder arbeitete und Geld verdiente, kündigte ich meine Rente.


Der Mann bei Centrelink, der Behörde die sich um diverse Renten kümmert, mochte gar nicht glauben, dass ich freiwillig meine Rente kündigen wollte. Er versuchte, mich von meinem Vorhaben abzubringen. Aber ich verdiente jetzt wieder Geld, fühlte mich gut, hatte seit ungefähr zwei Jahren keine Rezidive und wusste, dass ich keine Rente mehr brauchte. Und dass es unverantwortlich war, sie weiterhin in Anspruch zu nehmen.

 

Ich hatte meine gute Freundin Judith gepflegt und Erfahrung in Krankenpflege gesammelt, und da ich mich gut fühlte, begann ich ehrenamtlich in meiner Gemeinschaft zu arbeiten, Leute zu pflegen und zu unterstützen. Von daher machte es Sinn, auf diesem Gebiet zu arbeiten.


Ingrid Langenbruch 7 years since terminal cancer diagnosis

Ich hatte zwar keine Qualifikationen aber viel Erfahrung und eine natürliche Gabe, mich um kranke Menschen zu kümmern. Mein Körper wusste, was zu tun war und ich hatte das Gefühl, das es etwas war, was ich in früheren Leben schon gemacht hatte.


Jetzt, im Alter von 72 Jahren, liebe ich meine Arbeit und habe gerade eine Qualifikation in Alten- und Behindertenarbeit abgeschlossen. Etliche Freunde verstehen nicht, warum ich noch arbeite, obwohl ich es finanziell nicht brauche. Aber warum nicht, wenn ich es kann? Ich habe vor, so lange zu arbeiten, bis mein Körper nicht mehr zustimmt und nicht mitmacht.

 

Nach der End-Diagnose und nachdem ich alle meine Angelegenheiten in Ordnung gebracht hatte, fühlte sich mein Leben komplett an. Ich hatte mich von einem Großteil meiner Habe getrennt und auch von vielem emotionalem Kram und war bereit, in eine andere Seinsform überzugehen (zu sterben) – jenseits der menschlichen Form.

 

Ich war bereit, in einem anderen Körper zurückzukommen und alles – das Leben – noch einmal von vorn zu beginnen, zu lernen und noch mehr emotionales Gepäck und Karma auf dem Weg zurück zu Gott loszuwerden, um wieder voll mit Gott zu sein.

 

Mit der Zeit bemerkte ich, dass sich alte Muster langsam wieder in meinem Leben einschlichen; wie ich früher gelebt, gedacht und mich bewegt hatte zum Beispiel. In diesem Körper gibt es also noch mehr zu lernen, zu klären und loszulassen. Meine Seele wollte mich noch nicht in meinem formlosen Leben, im Jenseits zwischen diesem und dem nächsten Leben in einem menschlichen Körper.

 

Ich konnte sehr bewusst spüren, dass ich wieder anfing, Dinge zu wollen und Gedanken hatte, die in die Zukunft oder Vergangenheit wanderten; wie es mir langsam wieder etwas ausmachte, was andere Leute über mich dachten oder sagten und dass ich kritisch und wertend gegenüber mir selbst und anderen wurde. Ich dachte mir manchmal: 'Oh nein, das darf doch nicht wahr sein.‘ Mein Leben war gerade so einfach und klar wie nie zuvor und jetzt kamen wieder Komplikationen und Angriffe, und zwar hauptsächlich in Form von Gedanken.

 

Zum Beispiel schlichen sich Erwartungen über mein eigenes Sterben ein. Ich kann nicht erwarten, dass ich mit so viel Freude und Würde und mit so wenig Schmerzen wie Judith sterben werde. Ich kann einfach keine Vorstellungen davon haben, wie ich sterben werde.

 

Ich lerne immer mehr, zum Beispiel wie ich mit mentalen Attacken umgehe, den Gedanken, die nicht meine eigenen sind, aber die von einer Energie kommen, die es hasst, dass es mir so gut geht und dass ich eine tiefe Verbindung zu Gott habe. Diese Energie verliert mehr und mehr ihre Macht über mich, und das passt ihr überhaupt nicht.

 

Ich fühle meine Seele und ich fühle mehr Ergebenheit. Ich bin klarer, freudiger, sehr harmonisch und wahr und ich lebe einfach und in Vorbereitung auf das nächste Leben, so dass ich dem göttlichen Plan mehr dienen kann. Mein Leben ist erstaunlich und ich strahle eine Energie aus, die den Himmel, die Freude, die Wahrheit, die Liebe und die Harmonie repräsentiert, so dass andere sehen mögen, dass dies auch für sie möglich ist.

 

Und der Krebs? Es fühlt sich an, als wäre dies ein Thema aus einem anderen Leben. Ich denke weder daran noch sorge ich mich darum. Er ist immer noch ein Bestandteil meines Lebens, aber er beschäftigt mich nicht mehr.

 

Vor einem Jahr konnte die Computertomographie keinen Krebs mehr entdecken, aber ich nehme immer noch die 'Chemotherapie in Pillenform', und zwar in der niedrigsten Dosis – eine Tablette pro Woche (anstatt täglich) und kann mit den Nebenwirkungen leben. Zweimal hatte ich damit aufgehört und beide Male wurde der Krebs wieder aktiv. Man sagte mir, dass ich die Tabletten wahrscheinlich bis an mein Lebensende nehmen muss, was jederzeit sein kann – in 20 Jahren? In 10? In einem Jahr? Wann immer es sein wird, ich ergebe mich dem Plan. Das macht mir keine Sorgen.

 

Manchmal sage ich scherzend, dass der Krebs und ich freudig diesen Körper zusammen bewohnen. Ich kümmere mich liebevoll um den Körper, liebe und respektiere ihn, und der Krebs braucht nicht zu wachsen; er ist einfach präsent. Er ist nicht der Feind.



 
 
 

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