Judith und Ingrid – die Entfaltung einer wunderbaren Freundschaft

August 8, 2017

 

Zwei Jahre lang habe ich gebraucht, bevor ich über diese tiefe und inspirierende Verbindung, die Judith und ich hatten, schreiben konnte. Zur Information: Judith ist vor zwei Jahren, im Juni 2014, an unheilbarem Krebs gestorben.

 

Als ich vor kurzem meinen Computer entrümpelte, fand ich einiges von dem, was sie geschrieben hatte. Eins davon möchte ich hier teilen. Es heißt ‚Ingrid und ich’. Dieser Text hat mich dann inspiriert, ‚Judith und ich’ zu schreiben.

 

Zusammen erzählen wir die Geschichte einer magischen und wunderbaren Beziehung zwischen zwei Frauen, die sich verpflichtet hatten, zusammen zu lernen, zu wachsen, sich zu entwickeln und ihr volles Potential zu leben.

 

Ingrid und ich

Von Judith McIntyre

 

 

Meine Beziehung mit Ingrid war eine Riesenüberraschung, und ich habe sie (unsere Verbindung) mehr geschätzt als die vielen anderen in meinem Leben. Als ich Ingrid zum ersten Mal begegnete, bekam ich gerade Chemotherapie für Brustkrebs.

 

Ingrid hatte mir angeboten, mich zur Universal Medicine Klinik zu fahren, wo ich Therapie und Chakra-puncture gebucht hatte. Schon bald bot sie mir an, meine Hauptpflegerin zu werden, und ich stimmte zu.

 

Dann zog Ingrid zu mir, und es dauerte nicht lange, bis wir beschlossen, dass wir lieber zusammen als jede für sich leben würden. Wir wollten beide in Goonellabah wohnen und fingen also an, uns Immobilien anzuschauen. Und zunächst fanden wir nichts, was uns gefiel.

 

Für unsere Freunde und Bekannten ging das alles viel zu schnell. Auf beiden Seiten kam der Verdacht auf, dass wir uns irgendwie gegenseitig betrügen wollten und auf persönlichen Vorteil spekulierten.

 

Irgendwie fühlten wir aber, dass diese Verbindung stimmig war, und so war es dann auch. Einer meiner Bekannten fragte mich damals: „Was wird, wenn sie wieder Krebs bekommt?“ Und ich dachte mir: „Und was wird, wenn ich wieder Krebs kriege?“

 

Und tatsächlich hatten wir beide, in der Zeit zusammen, 3 ½ Jahre insgesamt, Wiederholungen vom Krebs. In unserer Beziehung geht es jedoch nicht um den Brustkrebs.

 

Wir hatten allerdings Spaß daran, uns über unsere Erfahrungen mit Brustkrebs auszutauschen. Ingrid hatte eine Mastektomie auf der rechten Seite und meine war auf der linken; Ingrid überredete mich dazu, mit ihr in dem Pool auf meinem Grundstück zu schwimmen, und zwar nackt.

 

Ich war ganz schön gehemmt obwohl das Becken sehr privat liegt und von dichten Büschen umgeben ist. Wir lachten viel darüber, dass wir zusammen einen kompletten Busen hatten, und für mich war dieses Abenteuer eine sehr befreiende Erfahrung.

 

Während der Brustkrebs uns verband, war unsere Liebe für die Lehren von Universal Medicine weitaus wichtiger und die einmalige Unterstützung durch die Modalitäten und Behandlungen schätzen wir über alles.

 

Wir verstanden beide, dass die weiblichen Brüste Symbole für Pflege und Nährung sind und davon hatten wir beide keinerlei Ahnung; wie pflegen und nähren wir uns denn? Jetzt lernten wir es.

 

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften unserer Verbindung ist, wie verschieden wir voneinander sind – irgendwie war da nicht der gewöhnliche Rapport, den ich aus meiner Vergangenheit kannte.

 

Ich verstehe jetzt, dass dieser Rapport bislang auf allgemeinen Interessen beruhte, auf den oberflächlichen Ablenkungen, wie etwa Filme, Bücher und Kunst; meine Lieblingsthemen, aber für Ingrid von keinerlei Interesse. Tatsächlich hatte sie nicht viel übrig für nutzloses und leeres Geschwätz, was mich zunächst ganz schön schockierte.

 

Auf der anderen Seite sagte sie gleich am Anfang zu mir, dass sie mich darum bitten wollte, mich nicht zurückzuhalten und kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es dicke Luft gibt und sich zwischen uns irgendetwas nicht richtig anfühlt.

 

 

Judith und ich

von Ingrid Langenbruch

 

 

Eines Tages bekam ich einen Anruf von der Universal Medicine Klinik: könnte ich eine Frau, die einen Termin zur selben Zeit wie ich hatte, zu Hause abholen und dorthin fahren. Und sie bräuchte auch Rücktransport, weil sie zur Zeit Chemotherapie bekam und nicht selber fahren konnte.

 

Also habe ich sie abgeholt und bin Judith so zum ersten Mal begegnet.

 

Gleich am Anfang war da eine Vertrautheit und Verbindung zwischen uns und wir beschlossen, unsere Termine parallel zu buchen, damit ich sie weiterhin chauffieren konnte.

 

Ich hatte damals regelmäßig Therapie und Heilbehandlungen um meinen Körper zu unterstützen, da ich seit 9 Jahren auch Brustkrebs hatte. Die Behandlungen konzentrierten sich darauf, die energetischen Ursachen des Krebses zu heilen (nicht den Krebs zu kurieren) und unterstützten mich bei den schulmedizinischen Therapien und den Auswirkungen der chirurgischen Eingriffe.

 

Judith und ich waren in vielen Dingen sehr unterschiedlich voneinander und es war erstaunlich, dass wir uns so schnell nahegekommen sind. Ich war zum Beispiel sehr organisiert, ordentlich und sauber – ich will nicht sagen, dass Judith nicht sauber war, aber sie hatte keinen Sinn für Ordnung. Außerdem waren unsere Interessen sehr unterschiedlich und wir waren es gewohnt, alles so zu tun, wie wir es wollten.

 

Nachdem wir uns entschlossen hatten zusammenzuziehen, haben wir uns oft gefragt, wie wir es jemals schaffen würden, eine Küche zu teilen. Eigentlich bräuchten wir zwei Küchen, scherzten wir manchmal. Am Ende kam es nicht dazu, weil Judith zu der Zeit, als wir in unserem gemeinsamen Haus wohnten, nicht mehr die Kraft hatte, außer einer gelegentlichen Tasse Tee irgendetwas in der Küche zu machen.

 

Judith liebte meine Ordnung und wie ich Sachen platzierte. Es war halt nicht etwas, was sie selbst machte, es lag ihr nicht. Damit ich ihr während ihrer Chemotherapie besser helfen konnte, hatten wir schon zusammengewohnt und ich übernahm das Kochen und machte Erledigungen. Schon bald beschlossen wir, auf Dauer zusammen zu wohnen und gemeinsam ein Haus zu kaufen.

 

Wir redeten darüber, dass das Haus uns beiden gehören sollte und was es in der Zukunft sein würde, wenn eine und dann beide von uns tot wären. Wir glaubten beide, dass Menschen in der letzten Phase ihres Lebens eine viel bessere Pflege als allgemein üblich brauchten und verdienten und wollten es anderen mit unserem Haus auch ermöglichen. Wir beschlossen also, das Haus diesem Zweck zu widmen und dass es in der Zukunft ein Palliativpflegeheim sein würde. Und es begann mit Judith.

 

Was mich total an Judith faszinierte und mich zu ihr zog war ihre bedingungslose Liebe. Aber da wir so verschieden waren, war es anfangs nicht so einfach. Viel kam hoch und wir mussten uns durch viele Probleme und Sachen arbeiten. Wir machten ein Abkommen, die Kommunikation nicht eher abzubrechen, bevor es wieder völlig klar zwischen uns war. Wir redeten so lange und teilten uns gegenseitig alles mit, bis wir an den Punkt kamen, wo alles gesagt war und wir uns beide gehört und verstanden fühlten; bis nichts mehr übrig war, das unserer Herzensverbindung im Wege stand.

 

Damals hatte ich noch eine recht herbe, ja schroffe Ausdrucksweise, die ich ‚deutsche Rauheit’ nannte. Das war am Anfang nicht leicht für Judith, aber ich fühlte immer eine unerschütterliche Liebe mit und von ihr, was es total einfach machte, wenn etwas hochkam. Wir vertrauten immer darauf, dass wir uns durch alles durcharbeiten würden, und so kam es dann auch.

 

Manchmal dauerte es länger. Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich für eine Weile wieder in meinem eigenen Haus wohnte. Ich fühlte mich damals über etwas sehr verletzt, und wir telefonierten über zwei Stunden miteinander; manchmal weinte ich, manchmal weinte sie, aber wir blieben am Ball bis wir alles mitgeteilt und verstanden hatten und wir wieder völlig klar und im Reinen miteinander waren.

 

Ich glaube, dass diese Zeit, in der wir beide in ihrem Haus wohnten – ich nicht ständig, aber hin und wieder – und alles, woran wir in dieser Zeit gearbeitet haben, das Fundament war, das wir für das Haus, das wir dann zusammen kauften, brauchten … für die spürbare Harmonie, die in unserem Haus bis zu Judiths Tod und darüber hinaus, herrschte und herrscht.

 

Wir hatten auch viel Spaß zusammen – wie zum Beispiel nackt im Pool zu schwimmen und wie ausgelassene Kinder herum zu plantschen. Als sie mehr Hilfe brauchte, legte ich morgens ihre Kleidung und ihren Büstenhalter für sie zurecht. Weil ich keine rechte Brust mehr hatte, legte ich aus Gewohnheit die Prothese immer in die rechte Brusttasche und wenn sie sich dann anzog, funktionierte das nicht, weil sie die rechte Brust hatte aber nicht die linke. Wir haben immer herzlich darüber gelacht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich daran gewöhnte, sie gleich in der linken Tasche zu platzieren.

 

Ich habe viel davon gelernt, wie Judith mit Menschen umging. Sie schien alle mit dieser totalen Offenheit und Liebe zu begegnen. Ich sah, was in zwischenmenschlichen Beziehungen möglich war. Ich selbst war in einem Haushalt aufgewachsen, in dem meine Eltern mich immer wieder in ein Waisenhaus steckten, und zwar ohne irgendeine Erklärung. Das hat meine Beziehung zu Menschen geprägt und verändert. Dieses tiefe Vertrauen und die innige Verbindung, die ich in meiner Freundschaft mit Judith erfuhr, hatte ich noch nie vorher mit jemandem erlebt.

 

Sie war ein Vorbild, aber dieses Wort empfinde ich als zu kalt und distanziert, um adäquat zu beschreiben, was für eine lebende Inspiration sie für mich war. Wenn ich darüber reflektiere, wie sie mit ihrer unheilbaren Krankheit umging und wie freudig und würdevoll sie bis zu ihrem letzten Atemzug lebte, wird mir mehr und mehr bewusst, wie viel ich von ihr gelernt habe.

 

Vor kurzem hatte ich wieder eine neue Krebsdiagnose und es zeigte sich, dass der Krebs sich jetzt in anderen Körperteilen verbreitet hat. Dem Tod ins Gesicht zu sehen – egal wann ­–  ich glaube nicht, dass ich so freudig und beruhigt wäre wie ich es heute, trotz der Krankheit, bin, wenn ich nicht Judith erlebt und gefühlt hätte. Sie zeigte mir, dass es nicht nötig ist, zu leiden und sich elendig zu fühlen.

 

Krankheit oder nicht – was immer mit unserem Körper passiert, macht keinen Unterschied, wenn es darum geht, wer wir wirklich sind.

 

Dieser Artikel wurde zuerst auf Unimed Living veröffentlicht.

 

 

 

 

 

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