Wie ich im reifen Alter zur Selbstfürsorge kam und wie sie mein Leben bereichert hat.


Mit den Jahren und vor allem in den letzten fünfzehn mit Brustkrebs, habe ich ein gutes (und ganz anderes) Verständnis für Selbstfürsorge entwickelt.

Weil Englisch nicht meine Muttersprache ist, ist mir erst jetzt bewusstgeworden, dass ich das Wort lange nicht richtig verstanden habe. Für mich waren die englischen Wörter ‚nurturing‘ und ‚nourishing‘ fast identisch und so verstand ich unter ‚self-nurturing‘, dass man sich gesund ernährt und damit hatte es sich dann auch.

Beim Schreiben dieses Artikels kam mir die Idee, das Wort einmal im englisch/deutschen Wörterbuch nachzuschlagen.

Ich lernte nun, dass ‚self-nurturing’ mehr mit Selbstfürsorge, Selbstpflege und sanft mit mir umzugehen zu tun hat als mit unserer Ernährungsweise oder Diät – glaubte ich doch, dass ich das ganz gut im Griff hatte, weil ich größtenteils frisches Gemüse und Obst aus biologischem Anbau oder dem eigenen Garten verzehrte.

Naja, wie ich mich zartfühlig und umsichtig um mich selbst kümmern und mit mir sein konnte wusste ich eigentlich nicht und musste es also erst einmal lernen. Dass mir diese Eigenschaft gegenüber anderen Menschen leichtfiel, wusste ich, aber mit mir selbst?

Unbeschreiblich, diese neue Welt, die sich da für mich auftat! Ich lernte, liebevoll und zärtlich mit mir umzugehen und mir viel Gutes zu tun, nur für mich, wie z.B. ein Bad einlaufen zu lassen, wofür ich mir früher nie Zeit genommen hätte. Selbstkritik und Selbstverurtelung hatten da keinen Platz mehr.

Und ich entwickelte kleine Rituale und tägliche Routinen, die ich heute sehr schätze und die ich vermisse, wenn mir die Zeit dafür fehlt.

So musste ich zum Beispiel lernen, mich zart und behutsam zu berühren, wenn ich meine Lieblingscreme oder Lotion auftrug. (Vorher musste ich zuerst einmal herausfinden, was es gab und es kaufen, hatte ich sowas doch früher selten gemacht.)

Ich kann mich daran erinnern, wie schwer es am Anfang war und dass ich oft den Tränen nahe war. Ich konnte es einfach nicht fühlen und wusste nicht, wie ich mich zartfühlig berühren konnte. Irgendwie ging es immer recht fix und war eher ein bisschen hart und unsensibel. Heutzutage ist es der Höhepunkt nach einer schönen Dusche – mich und meine eher trockene Haut liebevoll einzucremen.

Die Bedeutsamkeit menschlicher Berührung ist nicht zu unterschätzen. Als ich mich mit dem Thema genauer beschäftigte, erfuhr ich, dass die Wichtigkeit von Berührung inzwischen wissenschaftlich anerkannt ist und viele gesundheitliche Vorteile hat, ob das nun selbstfürsorgliche Eigenberührung wie sich liebevoll einzucremen oder die Umarmung eines anderen Menschen ist. „Berührung führt nachweislich zur Minderung von Depressionen, verbessert die Immunität, lindert Schmerzen, erhöht die Wachsamkeit, senkt den Blutdruck und beruhigt den Herzschlag“, sagt die Psychologin Miriam Akhtar. Aber in meinem Tagesablauf geht es inzwischen nicht nur um fürsorgliche Berührung.

Selbstfürsorge ist nicht nur, was ich für mich tue, sondern auch still und behutsam mit und bei mir zu sein. Um mich dabei zu unterstützen, entwickele ich gerade –

  • Mitten am Tag, egal wie beschäftigt ich bin, inne zu halten und etwa fünf bis zehn Minuten einfach zu sitzen

  • Mein Bett liebevoll zu machen, so dass ich abends beim Zubettgehen der gleichen liebevollen Qualität wieder begegne

  • Mit mir einzuchecken, ob ich Stress und Anspannungen hereingelassen habe und wieder Verbindung zu meinem Körper aufzunehmen.

Weil sie glauben, keine ‚Zeit‘ zu haben, nehmen sich die meisten Menschen nicht die Zeit dafür, aber das stimmt einfach nicht. Zu sitzen und sich mit seinem Körper zu verbinden schafft Raum und man ist, wenn man sich dann wieder an die Arbeit macht, viel effektiver.

Die ‘Nebenwirkungen’ der Selbstfürsorge.

Als ich die Selbstfürsorge zum natürlichen Bestandteil meines Tagesablaufs gemacht hatte, hat sich viel mehr entfaltet ...

Die liebevollen, selbstfürsorglichen Aktivitäten und Bewegungsabläufe haben mir geholfen, mich mehr zu lieben und zu schätzen, und das hat wiederum dazu geführt, dass ich natürlicherweise meine Mitmenschen auch mehr liebe und schätze.

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